Kolumbianischer Kaffee, Kolumbianische Wüste, Archäologische Stätten und Schlamm
27.07.18 – 11.08.18
Von Medellin bis Salento sind es knappe 300 km, für die wir fast 3 Tage benötigen.
Kurz hinter Medellin beginnt es zu regnen und kurz darauf der erste Stau wegen eines LKW-Unfalls. Nur wenige km weiter wieder Stau: ein LKW ist in einer Steilkurve umgekippt und hat seine Ladung großzügig auf der Straße verteilt. In Santa Barbara der 3. Stau… nix geht mehr, ein Sattelschlepper ist einige km weiter umgekippt und blockiert den gesamten Verkehr. Nach einer Stunde Wartezeit spricht sich herum, dass es bis morgen dauern kann, bis die Straße wieder frei ist.
Hermann und Martina kommen uns entgegen und so beschließen wir, einige Kilometer zurückzufahren, denn dort haben wir einen ebenen Parkplatz an einem Restaurant gesehen, an dem wir fragen wollen, ob wir übernachten können. Es wird noch ein lustiger Abend bei der äußerst zuvorkommenden, Kolumbianischen Wirtsfamilie. Tag 2: Heute schaffen wir immerhin 148 km, wegen der vielen Baustellen ist die Strecke oft nur einspurig zu befahren und so stehen wir immer wieder in Warteschlangen.
Kaum ist die Fahrspur freigegeben, fangen alle Autos an, aus der Reihe zu fahren, um noch schnell so viele wie möglich zu überholen und es gibt regelmäßig Autoknäuel, die sich wieder sortieren müssen…..
Am Tag 3 kommen wir dann in Salento an und treffen am Stellplatz auf 2100 m auf viele Overlander, die wir auf unserem Weg schon öfter getroffen haben.
Am nächsten Tag wandern wir zur Kaffeefarm und bekommen dort eine Führung durch die Plantage mit anschließender „Kaffeeschule“, um ab jetzt den Kaffee richtig zuzubereiten.
Das Wetter wird immer schlechter und vor lauter Wolken ist die Sicht auf die Wachspalmen im Cocora-Tal eher mau….
so fahren wir weiter und holen erst mal unseren neuen Scheibenwischerarm ab, der schon seit Medellin auf der Beifahrerseite fehlt. Ab Armenia geht es steil und kurvig über die Berge, gemeinsam mit vielen LKWs geht es nur noch im Schritttempo voran, Unfälle und kochende Kühler sind die Ursache. Übernachtungsplatz ist diesmal der Parkplatz einer Fernfahrerkneipe, staubig und vor allem laut. Bei Sonne gehts am nächsten Tag zügig weiter und wir biegen von der breiten E40 ab auf eine schmale Schotterstraße. Dieser Weg führt in die Tatacoa Wüste, die Strecke gefällt uns, fast kein Verkehr und lauter Überraschungen.
Erst geht’s mal in einen schmalen Tunnel, auf den dann gleich eine klapprige Stahlbrücke über den breiten Magdalena-Fluß führt, dann gleich noch ein Tunnel. Wir holpern durch kleine Orte, vorbei an Feldern und gelangen dann in die kleine Tatacoa-Wüste.
Auf einem Hochplateau schlagen wir unser Lager auf und bestaunen nachts den tollen Sternenhimmel.
Tags drauf ein schmaler, schotteriger, zum Teil sandiger Rundkurs durch die Wüste und es ist mal wieder richtig schön warm. Weiter südwärts biegen wir zu den archäologischen Ausgrabungen von San Agustin ab. Hier wurden Mitte des 18. Jahrhunderts Steinfiguren und Grabanlagen entdeckt.
Es gibt viele Statuen aus Stein zu bewundern, die meist gruselige Gesichter haben. Bei einer Statue können wir einen Skifahrer erkennen :-), eine weitere sieht aus, als würde das Monster gleich ein kleines Mädchen verspeisen….
Sehr schön ist die Quelle der Lavaplatas, die für rituelle Waschungen benutzt wurde. Viele Grabanlagen mit steinernen Wächtern gibt es zu bewundern.
Wir machen uns auf nach Tierradentro, eine weitere archäologische Stätte, über die bisher noch wenig herausgefunden wurde. Ein unbekanntes Volk hat hier um 6. bis 7. Jahrhundert gelebt und unterirdische Grabstätten angelegt.
Nach holpriger Anfahrt über kleine Schotterpisten machen wir uns am nächsten Tag auf eine Wanderung, um die Gräber zu besichtigen.
Steil geht’s bergan bis zum ersten Gräberfeld und dann geht’s wirklich waghalsig hohe Stufen in die ca. 3-5 m tiefen Grabanlagen.
Teilweise kann man sogar noch die bunte Bemalung und eingeschlagene Verzierungen erkennen.
Es geht weiter bergan, wir wandern entlang der Felder der Paez Indianer, die an den Steilhängen Bananen, Mais, Kaffee, Obst und Gemüse anbauen.
In San Andres wollen wir die reetgedeckte Kirche besichtigen, doch leider wird diese gerade von Grund auf renoviert, so dass es nur grüne und weiße Plastikfolie zu besichtigen gibt.
Im kleinen Dorf essen wir für unglaublich günstige 4 Euro ein Abendmenü mit Saft und Bier. Unser nächstes Abenteuer mit kolumbianischen Straßen beginnt am nächsten Tag. Wir wollen nach Popayan über die E26 fahren. Es regnet mal wieder und die noch nicht fertiggestellte Straße hat sich stellenweise in
Schlammpisten verwandelt und ist an einer Stelle durch einen Erdrutsch sehr schmal geworden. 50 km vor Popayan werden wir gestoppt, es muß erst ein Erdrutsch weggebaggert werden. Nach 2 Stunden erfahren wir, dass auch noch riesige Felsen runtergekommen sind und es bis morgen dauern wird.
So übernachten wir auf 3000m Höhe zwischen LKWs. Am nächsten Morgen erfahren wir, dass es doch noch einen Tag länger dauert….. so beschließen wir, umzukehren und die ganze schlechte Straße wieder zurückzufahren, um einen anderen Weg über die Kordillere zu suchen. Auf unserem Weg erfahren wir noch von weiteren Straßensperren wegen Erdrutschen oder Schlammlawinen und fahren von Mocoa zu einem kleinen Grenzübergang nach Ecuador. Die Landschaft verändert sich wieder, wir fahren entlang eines Flusses, die Hügel sind bewachsen mit großen Baumfarnen und Urwald.
An der Grenze warten viele Flüchtlinge, angeblich über 2000, meist Familien mit vielen kleinen Kindern, aus Venezuela auf die Einreise nach Ecuador. Es gibt Zelte von Unicef, Trinkwasser wird verteilt, das Rote Kreuz bietet kostenlose medizinische Hilfe. Wir brauchen fast 3 Stunden, bis die Grenzformalitäten erledigt sind und bekommen mit, wie einigen der Venezulaner die Einreise verweigert wird, da sie keine korrekten Papiere vorweisen können. An der Hauptgrenze in Ipiales sollen es bis zu 25.000 Flüchtlinge sein. Wie verzeifelt muss man sein, sein reiches Heimatland, das mit so vielen Bodenschätzen gesegnet ist, zu verlassen, um irgendwo ein Plätzchen zu finden, an dem man ‚überleben‘ kann……
Danke für den Bericht, das Vorankommen fühlt sich echt anstrengend an. Die Bilder sind interessant. Der Kaktus ist wunderschön ? Gute Weiterffahrt, Viele Grüße aus Nürnberg, Caro