15.06. – 01.07.18
Janosch fand in seinem Kinderbuch, dass Panama am Ende doch nicht so schön war wie man sich das so vorstellt. Er hatte damit gar nicht so unrecht…Panama wird ja vor allem durch seinen Kanal definiert, Haupteinnahmequelle fremder Währungen, vor allem des Dollars, der eigentlichen Nationalwährung, auch wenn er hier Balboa heisst. Ein Vorteil für uns, die Geldautomaten spucken Dollars aus. Aber der Reihe nach….
Aus Costa Rica kommend ist der Aus- bzw. Einreiseprozess relativ zügig, Zoll- und Immigration sind schnell erledigt, nur die Autoversicherung dauert quälend lange…..die Internetverbindung nach Panama City ist träge.
Aber mit Geduld und Gelassenheit wird alles erledigt und wir begrüßen Panama, eines der reichsten Länder Lateinamerikas. Die Landschaft ist von tropischer Vegetation geprägt mit vielen kleinen Wasserfällen und Bächen. Wir erreichen Boquete auf 1280m und finden einen Wiesenstellplatz im RV-Park.
Im Dorf lassen wir unsere Wäsche waschen, am nächsten Mittag holen wir sie ab, sauber, trocken und perfekt zusammengelegt. Wir fahren an den Pazifikstrand Las Lajas, es ist heiß und feucht, am Abend regelmäßig heftiger Regen.
In El Valle klettern wir nochmal auf 600m, um der feucht-heißen Temperatur am Meer zu entkommen.El Valle liegt in einem schon lange erloschenen Vulkankrater und ist für seine Stummelfußfrösche bekannt.
Auf dem Hotelparkplatz genießen wir Pool und den Unterstand beim nachmittäglichen Kübelregen. Geschützt davon das winzige Kolibri-Nest.
Bei der Feuerwehr übernachten wir im Garten, vorher wurde unser Sprinti grundgereingt, eine der Voraussetzungen beim Verschiffen nach Kolumbien.
Auf dem Weg nach Panama City fahren wir zu den Miraflores-Schleusen und bestaunen die riesigen Frachter und Containerschiffe, die millimetergenau von den Loks durch die Schleusen manövriert werden.
Vorne links und rechts mindestens eine, hinten ebenso….mit „dead slow“ Maschinenkraft ganz langsam vorwärts und die Seile links und rechts halten den Abstand zu den Kaimauern.
Wir verbringen fast den ganzen Nachmittag.
Am nächsten Tag geht der Verschiffungskram los. Um 6.30h zum DIJ in einem wenig Vertrauen erweckendem Viertel…hier würd ich kein Apartment wollen….
das Auto wird gecheckt, eigentlich nur die Fahrgestellnummer….und wir erhalten ein Papier…aber alles d a u e r t !!!
Danach fahren wir zur Bank und zahlen unsere Verschiffungsgebühr bar in Dollars ein. Um 14h wieder zum DIJ, aber zum eigentlichen Büro auf der anderen Seite der Hauptstraße, wo wir ein weiteres Papier erhalten, das bestätigt, dass wir rechtmäßiger Besitzer und ohne Verkehrsverstöße sind.
Auf dem Weg nach Colon fahren wir durch Müll und Ghettos bis zum Stellplatz kurz vor Colon. Am nächsten Tag Rucksäcke packen, Sprinter nochmal durchputzen, Autowäsche war für die Katz, Schotterweg und Kübelregen.
Wieder am nächsten Morgen 7h Hafen Colon, Seaboard Büro, Original Bill of Lading (heißt wirklich so) abholen, zum Zollbüro (!!) im Hinterhof, dreckig, staubig bzw. jetzt schlammig….drinnen eng und vollgepackt mit Papierbündeln bis unter die Decke…Formular (schon wieder eins) ausfüllen, vielfach Kopien angeben.
Wieder ein Papier erhalten, zum Hafen fahren. Dort dürfen nur Fahrer und Auto rein….warten….geduldig…warten…Zwischendrin werden wir Männer von Arbeitern ausgelacht…..wir rätseln…Deutschland verliert 0:2 gegen Korea !!!!! Autos abgeben…alles listo??? Alles listo !
Wir laufen zurück zu unseren Frauen, mit vollem Gepäck/Rucksäcken/Taschen, sehen wie unsere Autos zu einem Parkplatz gefahren werden und es zu schütten beginnt…. Angekommen erfahren wir von einem Hafenmitarbeiter, dass wir nochmal zurück müssen, man hat versäumt, uns noch ein Papier (!!!) auszuhändigen, das sehr wichtig sei….Alles zurück, ohne Gepäck…und eine lustlose, total desinteressierte Lady gibt uns dann das letzte Formular….Alles listo jetzt ??? Alles listo….hatten wir heut schon mal….. Mit dem Sammeltaxi, viel Gepäck und 10 Personen, geht’s zurück nach Panama City, wir steigen direkt am Strand aus und bewohnen mit Hermann und Martina ein Apartment im 18. Stock
eines wunderschönen Hochhauses. Was für tolle Ausblicke ! Wir verbringen die Tage bis zu unserem Flug nach Cartagena mit sightseeing, die Altstadt ist schön, aber gewöhnungsbedürftig,
der Fischmarkt laut und gewöhnungsbedürftig….aber ansonsten ist Panama City modern, sicher, verkehrsreich, autovoll…nur an Sonntagen gehören zwei Spuren der Autobahn den Fahrradfahrern, nette Idee.
Wir besuchen Flo, einen ehemaligen Schüler, der nur zwei Hochhäuser weiter im 28. Stock lebt und verbringen einen interessanten Abend mit ihm, fahren zum Essen und ratschen über Gott, weniger, und vor allem die Welt. Am letzten Abend gehen wir mit Stefan und Denise, Martina und Hermann noch gepflegt zu unserer Lieblingspizzeria. Wohnung ist geräumt, Taxi steht vor der Tür, auf geht’s zum Flughafen.
Zollformalitäten ruckizucki und nach einem ruhigen Flug mit Copa Air landen wir nach ner guten Stunde in Cartagena. Auch hier alles blitzschnell und gegen 13h sind wir bereits in der Via Santander in unserem Apartment im vierten Stock ohne Lift.
Schlafzimmer und Bad okay mit Klima, Wohnzimmer mit Ventilator, na gut, aber die Küche eine Zumutung…viele winzige Ameisen bevölkern Spüle, Arbeitsplatte…kommen anscheinend von unten….dazu Schimmelgeruch aus den Schränken….außer Kaffee wird hier sicher nix gekocht. Montag, 2.7., Dienstag, 3.7…..ich bin es leid, alles nochmal zu erleben, und sei es nur beim Schreiben…..
Es dauert 24 Stunden, viel Geduld, unzählige Formulare, massenhaft Kopien, noch mehr Geduld, lustlose Mitarbeiter, langsames Anwachsen von Ärger und Aggression, Abbauen von Ärger und Aggression, warten, noch mehr Geduld,
nochmals Formulare, dann wieder innerhalb von 10min irgendwo sein, ziemlich weit weg…..dann doch wieder warten…und warten, morgen wiederkommen…..
und das ganze am 3.7. noch mal von vorne…….Kurz und gar nicht gut:
Am Ende des zweiten Tages haben wir alle Fahrzeuge, ohne Kratzer, alles dran und drin…. aber mit unseren Nerven ziemlich am Ende.
Wir fahren zu unserem Apartment, parken davor und gehen noch essen in die Altstadt, die eh vor unserer Haustür liegt. WIR SIND KOMPLETT IN SÜDAMERIKA !!!
Unvorstellbar in Zeiten von Clouds, Internet, Digitalisierung – was allerdings in den größten Teilen der Welt scheinbar keine Rolle spielt. Schön, dass Sprinti und ihr das überstanden habt!!!