07.05.2018 – 17.05.2018
8 Grenzen, 3 Länder und das in 10 Tagen!!!
Von Guatemala geht’s über einen Grenzfluß nach El Salvador. Während wir warten, bis die Papiere fürs Auto ausgestellt werden, vertreibt uns ein Grenzbeamter die Wartezeit, indem er auf seinem Smartphone eine Bildersammlung von deutschen Bieren zeigt und Reiseempfehlungen für El Salvador zum Besten gibt. Es ist schon erstaunlich, dass im fernen kleinen El Salvador von deutschem Bier geschwärmt wird.
Auf bunten Plakaten können wir lesen, dass mit deutscher Unterstützung gegen die Korruption in El Salvador angegangen wird und die Grenzformalitäten keinen Cent kosten.
40 km weiter biegen wir ab zum Thermales Alicante, hier kann man sicher übernachten und dazu noch warme Badebecken genießen. Von wegen warm, in einigen Becken ist das Wasser so brühheiß, dass wir in Erwägung ziehen, morgen unsere Frühstückseier drin zu garen.
Doch es gibt ja mindestens 15 verschiedene Pools und so finden wir auch einen, der uns genehm ist! Auf der Routa de Flores geht es durch Berge, überall
Kaffeeplantagen und üppiges Grün. Dem schönsten Dorf El Salvadors gilt es einen Besuch abzustatten, wir schlendern durch die Straßen und suchen nach
den „Schönheiten“ des Dorfes, entdecken viele Wandgemälde und das ganz alltägliche Leben zwischen Marktständen und Second-Hand-Kleidungsverkäufern
an vielen Straßenecken. Unser Versuch, eine Kaffeplantagenführung zu machen, scheitern und so erklimmen wir einen Vulkansee, eine Kooperative hat hier einen Picknickplatz eingerichtet, und wir dürfen am Seeufer campen.
Die Einheimischen begrüßen uns freudig und führen uns gleich zu einem Aussichtspunkt mit wunderschönem Garten.
Ein Gewitterschauer treibt uns zurück ins Womo. Nach kühler Nacht ein sonniger Morgen, durch schöne bergige Landschaft geht es zum großen Lago de Cotepeque, die Ufer sind zugebaut mit Villen der Reichen aus San Salvador.
Am nächsten Tag wollen wir mal wieder eine archäologische Stätte besichtigen, doch die Türen sing geschlossen, es ist Himmelfahrt und in ganz Mittelamerika dazu auch noch Muttertag. War nix mit Kultur und so stehen wir auf dem Weg zum
Strand im Stau bis zum großen Einkaufszentrum, hier scheint man an Muttertag einen Ausflug in die Shoppingmall zu machen.
Am Strand ist alles zugebaut mit Imbissbuden, in zweiter Reihe gibts Wiesengrundstücke zum Campen und angesichts der hohen Temperaturen freuen wir uns über den Pool und die kalten Duschen. Denise und Stefan aus der Schweiz stoßen zu uns, gemeinsam mit Agnes und Harold tauschen wir die neuesten Nachrichten zur Lage in Nicaragua aus. Seit April gibt es heftige Proteste gegen den Präsidenten Ortega und seine Frau Rosario Murillo, die als Vizepräsidentin fungiert. Es gab bereits viele Tote unter den Demonstranten und die Proteste weiteten sich aufs ganze Land aus. Auch vom Auswärtigen Amt wird von Reisen nach Nicaragua abgeraten. Doch was sollen wir tun, unser Weg nach Südamerika führt nun mal unausweichlich durch Nicaragua.
Wir beschliessen, gemeinsam weiterzufahren und so bald als möglich durch Nicaragua zu fahren, bevor sich die Lage noch mehr zuspitzt und wir eventuell gar nicht mehr durchkommen.
Vor Nicaragua kommt noch Honduras, hier reisen wir in El Amatillo ein und nach drei Stunden bei El Espino auch schon wieder aus. Außer einer wunderschönen Bergkulisse bekommen wir von Honduras leider nicht viel zu sehen.
Am kleinen Grenzübergang Honduras/Nicaragua geht es gemütlich zu, alle sind hilfsbereit und am Grenzladen kann man sich bereits mit allen Sorten Rum der bekannten „Flor de Cana“ – Destillerie eindecken. Nach der Grenze machen wir einen Abstecher in den Somoto Canyon, eine Idylle mit schönster Campingwiese
und von Protesten und Unruhen ist hier nix zu spüren. Erst mal ausruhen und noch einen Tag dranhängen zum Wandern.
In Somoto füllen wir unsere Vorräte auf und wundern uns, dass im Supermarkt so viel los ist und jeder überquellende Einkaufswägen zur Kasse karrt.
In Esteli können wir an vielen Stellen die Reste von Straßensperren erkennen, abgebrannte Autoreifen und gefällte Bäume. Kurz drauf vor einem kleinen Ort geht auf einmal nix mehr voran, wir erfahren, dass es eine Blockade gibt.
Nach einer Stunde gehts dann weiter vorbei an freundlich winkenden Demonstranten. Kurz hinter Leon liegt unser heutiges Etappenziel, eine Ranch etwas außerhalb der Stadt. Morgen sollen die Verhandlungen zwischen der Regierung und den verschiedenen Protestparteien beginnen.
Wir besichtigen Leon, steigen auf das Dach der Kathedrale
und beobachten, wie überall in der Stadt die Menschen gebannt auf Fernseher oder Rundfunkübertragungen den Verhandlungen lauschen. Mittags sind diese ohne Ergebnisse auf den kommenden Freitag vertagt. Wir sprechen mit verschiedenen Menschen und uns wird geraten, dass Land zügig zu verlassen, da nicht absehbar ist, wie es nach dem Scheitern der Gespräche weiter geht.
Das Gerücht eines Generalstreiks macht die Runde, was erklärt, warum sich alle großzügig mit Lebensmitteln eindecken. Beschliessen am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang weiterzufahren, um den Straßensperren soweit wie möglich zuvor zu kommen.
Doch ab 11:00 Uhr hangeln wir uns von einer Straßensperre zur Nächsten. Mit Geduld schaffen wir es bis zur Grenze und nach Costa Rica.