24.02.18 – 07.04.18
Rechtzeitig zur Geburtstagsparty von Fabian kommen wir in Puebla an. Die Wiedersehensfreude ist bei Allen riesig.
Die nächsten Wochen ist Familie angesagt, es wird viel erzählt und mit den Kindern gespielt, Quatsch gemacht und viel geratscht. Mit Caros Eltern, Olga und Pablo besichtigen wir den kleinsten Vulkan in Puebla
und besuchen die Ranch in Tenampulco. Mit den Pferden der Rancheros gehts zur Rinderherde, die Kälbchen werden mit dem Lasso gefangen und bekommen ein Brandzeichen, Oskar wird zum Tierarzt erklärt und übernimmt das Impfen der Kälbchen.
Nach getaner Arbeit hat man sich ein kühles Bier verdient und bei Maria gibts mexikanische Hausmannskost – traditionell am Holzfeuer zubereitet.
In den Osterferien wollen wir uns am Strand treffen, bis dahin nutzen wir die Zeit und fahren nach Oaxaca und Chiapas. In El Tule finden wir Unterschlupf in der Overlander Oasis von zwei Kanadiern und werden zu Spätzle mit Rouladen eingeladen….fantastisch lecker!!!
Staunen über den größten (Stammdurchmesser 14 m) Baum der Welt. Im Teppichweberdorf Teotitlan ist nix los und in einem kleinen Familienbetrieb wird uns die lange Prozedur der Wollteppichherstellung erklärt,
samt Naturfarbenherstellung. Mitla war das religiöse Zentrum der Zapoteken und neben der katholischen Kirche gibt es die Ruinen zu besichtigen. Eine kleine Schotterpiste führt in die Berge, am Dorfrand halten wir bei einem
Mescalhersteller und schnuppern an den großen Holzfässern mit der Agavenmaische, aus der der Schnaps hergestellt wird. Der Meskalbauer sieht ganz so aus, als mundet ihm sein Getränk selbst auch ganz gut…. uns zieht es weiter, zum versteinerten Wasserfall, dem „Hierve del Agua“,
Badebecken in gigantischer Kulisse! Auf dem Rückweg durchstreifen wir mutterseelenallein noch die Ruinen von Yagul. Früh morgens vor dem großen Rummel erklimmen wir Monte Alban, auch hier wohnten die Zapoteken und
bauten Tempel und Pyramiden, entmannten Feinde und opferten das Blut den Göttern. Die Stadt Oaxaca durchstreifen wir einen Nachmittag, es gibt viele Bettler, die sich von den Touristen ein paar Pesos erhoffen. Auf dem Zentralplatz ist ein Zeltlager mit protestierenden Frauen und Müttern, die die Aufklärung ihrer ermordeten Männer und Söhne fordern.
Ein langer Fahrtag steht an, um ans Meer zu kommen, gehts erst mal übers Gebirge und auf 3000 m Höhe. Tausende Kurven, hunderte Topes und viele Dörfer weiter landen wir am Abend in Zipolite Beach. Feuchtheiß und das Meer hat Badewannentemperatur, überall Strandkneipen, Hängematten, ein paar nackige Althippies und abends gibts Feuershow. Wir flüchten in den Schatten unter Mangobäume, stellen alle schweißtreibenden Aktivitäten ein und lassen uns bekochen. San Augustin liegt 50 km weiter und ist ein beschauliches Nest an einer wunderschönen Bucht.
Wir stehen in spärlichem Schatten am Ende der Bucht und sind fast allein. Machen uns noch auf, den Strand von Puerto Aristo zu erkunden… fahren durch Mangoplantagen, überall am Straßenrand kann man sie kistenweise kaufen.
Hier ist es jedoch so unerträglich superschwülheiß, dass wir nach einer Nacht die Flucht ergreifen. Auf dem Weg nach San Cristobal de las Casas werfen wir noch
einen Blick in den Sumidero-Canyon, erfrischen uns an einem Wasserfall und kommen Abends im kühlen Bergland an. Hier treffen wir auf viele andere Reisende aus der Schweiz, Brasilien, Kanada und USA, Reiseerlebnisse und Tips werden ausgetauscht.
Bereits auf der Fahrt hierher sind uns die Indios mit ihren tollen mit Blumen bestickten Röcken aufgefallen. Die Männer tragen rosafarbene, mit Blumen bestickte Tunika über weißen Hemden. Wir wollen mehr erfahren und machen einen Ausflug mit Raoul in die autonomen Dörfer der Gegend. Erste Station ist San Juan Chamula, hier leben die Tzotzil, sie tragen zottelige Wollröcke bzw. zottelige weiße oder schwarze Tunikas. Sie leben nach ihren eigenen Regeln und Gesetzen.
Hier gibt es Poligamie und die Würdenträger des Ortes, die zuständig sind für religiöse bzw. gemeinschaftliche Aufgaben, werden jedes Jahr neu gewählt. Ein besonderes Erlebnis ist der Besuch der Kirche, es gibt keine Fenster, keine
Bänke, an den Wänden stehen Schränke mit Heiligenfiguren, davor Tische mit Kerzen. Überall auf dem Steinboden knieen Menschengruppen, stellen dünne bunte Kerzen auf und schütten Limo oder Schnaps auf den Boden. Ab und an holt jemand ein lebendiges Huhn aus einem Sack, das dann über jemandem geschwenkt wird. Wie wir später erfahren, soll das Huhn das Schlechte (Krankheit u.ä.) aufnehmen. Später wird es dann geopfert. Fotografieren ist strengstens verboten…..Einige km weiter in Zinacatan ein ganz anderes Bild.
Die Frauen tragen blaue Röcke und Blusen, bestickt mit bunten Blumen, viele verdienen ihr Geld mit der Herstellung von buntgewebten Stoffen. In der Kirche sind nur Männer anwesend, die Würdenträger sitzen in der Mitte um einen Tisch und bekommen immer wieder Schnaps eingeschenkt…. es wird nicht alles getrunken… meist wird der Schnaps in eine mitgebrachte Flasche gefüllt. Musiker sitzen am Rand und spielen Harfe, Gitarre und Geige. Im Altarraum wird kräftig geräuchert, alles ist vernebelt. Hinter dem Altar auf Stufen klettern Männer in kurzen weißen Hosen und Hemd mit rosa Tunika herum und schwenken immer
wieder Gegenstände über den Räucherschalen, das geht anscheinend den ganzen Sonntag so. Bei einer Weberfamilie bekommen wir Tortillas aus lila Mais mit Kürbiskernfüllung, auch Posch, den traditionellen Zuckerrohrschnaps dürfen wir probieren. „Angefüllt“ mit den Erlebnissen verlassen wir den Ort.
Am nächsten Tag lassen wir uns im Museum für Maya-Medizin die auch heute noch praktizierten Heilmethoden näherbringen. Es gibt sogar ein Heft in deutscher Sprache. Besonders beeindruckend ist ein Film über eine Hebamme und die Geburtshilfe.
Langsam müssen wir uns auf den Weg nach Veracruz machen, erster Übernachtungsstop ist der „Sima de las Cotorras“, ein riesiges Karstloch, auf dessem Grund grüne Papageien in den Bäumen nisten. Morgens bei Sonnenaufgang fliegen sie in Gruppen mit lautem Geschrei in die umliegenden
Wälder. Das bedeutet, wir stehen mal wieder sehr früh auf und erleben einen tollen Sonnenaufgang und das Erwachen der Natur.
Früh sind wir unterwegs und brausen auf der Mautstraße zügig gen Norden, durch tropische Wälder und vorbei an einem riesigen Stausee. An einer Mautstelle hat die örtliche Bevölkerung die Kassierer vertrieben und die Mautstelle besetzt. Jeder, der weiter will, muss die Gebühr nun an die Dorfbewohner bezahlen, die einen dann auch sofort weiterfahren lassen. Wir überlegen noch, wer nun das Geld bekommt und für was es genutzt wird und hoffen mal, dass es der Dorfgemeinschaft und der örtlichen Schule zugute kommt.
Am großen Catemaco See machen wir Halt. Weiter gehts nach Chachalacas, der Strand ist mit reichlich Müll verziert von den Osterfeiertagen.
Die örtlichen Kühe inspizieren den Strand, der am nächsten Morgen vorbildlich von einer großen Gruppe Einheimischer gesäubert wird. Strand- und
Swimmingpoolzeit mit Fabian und Familie im Ferienhaus. Nach dem Abschied
heißt es für uns Gas geben, denn die Halbinsel Yucatan mit seinen Mayastätten und der Karibikstrand warten auf uns!
Hallo ihr Lieben!
Wie immer ein toller Bericht mit schönen, aussagekräftigen Bildern!
„…King & Queen of the Road“
Herzlichst,
Christian