Zurück in Teheran heißts erst mal einkaufen, Wäsche von der Wäscherei abholen und einen Übernachtungsplatz in der Nähe der usbekischen Botschaft finden, denn morgen früh wollen wir das Visum abholen.
Beim Frühstück lernen wir einen Iraner kennen, der fünf Jahre in der Schweiz gelebt hat. Er lädt uns für abends zu sich nach Hause ein.
Es klappt alles wunderbar, das Visum ist tatsächlich fertig, um die Ecke gibt’s einen Kopierer und wir können die erforderlichen Kopien machen und gleich bei der turkmenischen Botschaft abgeben.
In einer Woche sollen wir in Mashad auf dem Konsulat das fertige Visum abholen.
Am Abend werden wir herzlich empfangen von Deyhim, Goharnaz und ihrem Bruder Arashd.
Nach einer erfrischenden Dusche verbringen wir den Abend mit interessanten Gesprächen bei leckerem persischem Gebäck und Getränken. Große Überraschung, Deyhim und Goharnaz geben für uns ein kleines Privatkonzert auf der Tar (ein iranisches Saiteninstrument) und der Tombak (eine iranische Trommel).
Wir sind ganz ergriffen von der tollen Improvisation für unsere Weiterreise nach Mashad. Es stellt sich heraus, dass sie sehr bekannte Musiker sind und wir bekommen sogar noch eine DVD von einem Konzert geschenkt. So spät sind wir schon lange nicht mehr ins Bett gekommen.
Nach herzlicher Verabschiedung geht es am nächsten Tag Richtung Mashad. Noch ein kurzer Einkaufsstop… (In Teheran gibt es wirklich alles zu kaufen), deutscher Kaffee, Schokolade und Camembert wandern in den Einkaufskorb. Den wilden Trubel von Teheran lassen wir hinter uns und kommen durch einsame, karge Wüstengegenden. Wir fahren auf der Route der Seidenstrasse.
Das erste Kamelschild taucht auf….
immer wieder alte Karawansereien.. .
Die heutigen Karawanen haben keine Kamele mehr, sondern LKWs. Die modernen Karawansereien verkaufen deshalb Diesel, Benzin und Erdgas, Cay und Pistazien gabs wahrscheinlich auch früher.
Unser erster Halt ist Semnan, hier gibt es noch einen alten Stadtkern mit Lehmhäusern, Ziegelminarett und einem qajarischen Stadttor, das mit Fliesenbildern geschmückt ist.
Wir bewundern die prachtvolle Moschee und werden aufgefordert reinzukommen. Es gibt getrennte Eingänge, hier bekomme ich das erste Mal einen „Schleier“, ein riesiges Tuch, in den frau sich ganz einhüllt. Ich brauche zwei Hände, damit nichts verrutscht und das Tuch auch bei und um mir bleibt und dann noch fotografieren…. Eine Mädchenklasse schart sich kichernd um mich.
Nach weiteren 110 km kommen wir nach Damghan. Hier wollen wir uns die älteste noch erhaltene Moschee auf iranischem Boden ansehen, die Tarikhane Moschee (aus dem 8.Jhd.). Schilder finden wir keine, aber hilfsbereite Menschen, die uns den Weg erklären. Die Moschee ist mit Lehm und Stroh verputzt und besitzt ein tolles Ziegelminarett. Dort treffen wir einen Mann aus dem Kulturamt, der uns noch zu einem Grabturm (Pir-e Alamdar) und der Freitagsmoschee führt.
Zudem gibt es noch ein riesiges Ziegelmausoleum, hier ist die Grabstätte von Emamzade Jafar, ein Nachkomme des dritten Imam Hossein.
Auf unserem weiteren Weg stolpern wir geradezu von einem Mausoleum zur nächsten prachtvollen Grabstätte, von wichtigen, berühmten Verstorbenen, von denen wir bisher noch nichts gehört hatten.
Ein Abstecher nach Bastam mit Moschee, Grabturm und Lehm/Strohstadtmauer.
In Nishapur befinden sich in besonders schönen Parkanlagen die Mausoleen von Fard ad-Din Attar und Omar Khayyam, diesmal keine Heiligen, sondern Attar war ein mystischer Dichter, der beim Mongoleneinfall um 1220 AD ums Leben kam und Khayyam ein berühmter Dichter, Mathematiker und Astronom.
Nach so vielen Gräbern halten wir an einer Raststätte und kommen dort schnell ins Gespräch mit einer sehr lebendigen Großfamilie, die die Raststätte betreibt. Es gibt ein Wasserbecken mit Tretbootschwänen, eine riesige Hüpfburg und wir werden mit Eis, Tee, einem Glas Apfelmarmelade und einer großen Plastiktüte mit frischem Brot beschenkt. Nach den obligatorischen Fotos fahren wir winkend ab.
In der Nähe von Sang Bast, inmitten einer Wüstenlandschaft, erhebt sich das schlichte Ziegelmausoleum von Arslan Jasib (Statthalter von Tus im 10. Jahrhundert).
Ein geruhsamrer Ort, zum rasten und lesen….
Ab nachmittag dann immer mehr Besucher (es ist FREItag), die außer dem Mausoleum auch noch uns und unseren Sprinti besichtigen. Der Mausoleumswärter schenkt uns frische Pilze aus der Wüste (da es geregnet hat, wachsen sie derzeit unter der Erde und müssen gepflückt werden bevor sie der Sonne ausgesetzt sind). Immer wieder beantworten wir die wissbegierigen Fragen der Perser und auch die Bitte, ein Foto mit uns machen zu dürfen, kommt immer wieder. Wir fotografieren fleißig mit.


Auf nach Mashad, der heiligsten Stadt des Iran und zur Familie Salamati. Auf der deutschen Botschaft in Teheran haben wir Luise, eine Hamburgerin, die seit 38 Jahren in Mashad wohnt, kennengelernt und sie hat uns herzlich eingeladen, als sie erfuhr, dass wir auch nach Mashad kommen. Wir wussten nicht viel voneinander, wurden aber von der gesamten Familie aufgenommen, als wären wir Familienmitglieder. Alle kümmern sich rührend um uns, unsere Wäsche wird gewaschen, wir dürfen das Bad benutzen, ein Tourprogramm zu allen Sehenswürdigkeiten ist aufgestellt, und es ist ein Vergnügen, mit Menschen, die einem alles erklären können, Besichtigungen zu machen. Wir haben zwar einen Stadtplan, doch brauchen wir ihn gar nicht, da wir zu Allem begleitet und hingebracht werden. Nicht zu vergessen die reiche Bewirtung mit leckerem persischen Essen.
Ein ganz besonderes Erlebnis ist der Besuch des heiligen Bezirks am Abend. Hier befindet sich die Keimzelle der Stadt, das Grab des achten schiitischen Eman Reza (gest. 818). Der Name Mashad kommt von dem Ort, an dem der Emam Reza ermordet wurde (Mashhad ar-Razavi = Märtyrerstätte von Reza). Heute hat Mashad 4 Millionen Einwohner, zudem pilgern jährlich rund 14 Mio. Menschen zum Grabmal und dürfen sich dann Mashhadi nennen. Auch wir dürften uns jetzt so nennen, denn selbst wir „Ungläubigen“ durften mit Saids Hilfe zum Allerheiligsten, dem Schrein von Emam Reza (eigentlich für Nichtmuslime verboten). Leider besteht für den heiligen Bezirk Fotografierverbot, so dass ihr mit unserer Beschreibung vorlieb nehmen müsst.
Es ist ein riesiges Gelände, es gibt mehrere Moscheen, viele verschiedene Höfe mit Marmorboden, Springbrunnen und überall Teppiche für die Pilger zum beten und ausruhen. Die Höfe sind eingefasst von fliesengeschmückten Wänden. In den Untergeschossen befinden sich riesige Friedhöfe, denn es ist ein Wunsch vieler, hier begraben zu werden. Die Innenräume bestehen aus spiegelverkleideten Kuppeln mit großen Kronleuchtern. Vieles ist vergoldet, so die Kuppel, zwei Minarette und einige Eingangsportale.
Nur in angemessener Kleidung darf man den heiligen Bezirk betreten, ich bekomme von der Familie Salamati einen schwarzen Schleier (Mantel) und bin ab jetzt nicht mehr zu erkennen, Oskar schaut dann immer auf die Schuhe (die muss man/frau aber am Eingang abgeben… aber ab da müssen Frauen und Männer eh getrennte Räume betreten.) Obwohl schon 23 Uhr, befinden sich immer noch tausende Menschen auf dem Gelände, wir sind müde vom langen Tag und den überwältigenden Eindrücken.
Auf dem weiteren Programm stehen der Besuch des Shah Nader-Museums, des Teppichmuseums, des Kunstmuseums, der Grabstätte des Dichters Ferdosi, des Bazaars und und und…..Außerdem wollen wir heute abend noch echt persisch Essen gehen, Shish-lek…wir mussten schon den ganzen Tag fasten, damit heute Abend alles reinpasst….
Es ist Dienstag, der 24.April, heute Nachmittag bekommen wir unser turkmenisches Transitvisum und werden morgen Richtung Turkmenistan aufbrechen.Unser Einreisedatum ist Donnerstag, der 26.4.2012 und wir haben die Erlaubnis, an der südlichen Grenzstation Sarakhs einzureisen.
Nachtrag: Es ist Mittwoch, wir haben unser Visum, das Essen in Shandiz war phänomenal lecker.
Ein riesiges Dankeschön für diese Fülle an Gastfreundschaft an Luise, Said und Mehri, Jawad und Samane, Fathemeh und ihre Familie, wir werden sie in unseren Herzen behalten.
War gerade im Internet und habe dabei Euren frisch hineingestellten Bericht von eurer Iranreise Teil 2 angeschaut. Ich beneide Euch um all die interessanten Begegnungen, Landschaften und Kulturstätten. Das sind Erlebnisse, die Euch niemand mehr nehmen kann. Bei uns ist es schon den ganzen April kalt und feucht. Ab morgen soll endlich die Temperatur steigen , aber gleich ganz krass auf über 25°. Das wird sehr kreisaufbelastend sein. Euch weiter eine interessante Reise in den nächsten Ländern.
Grüße von Marianne und Leo
Wieder mal tolle Bilder und ein schöner Bericht. Bei uns wirds endlich Frühling, der anscheinend nahtlos in den Sommer übergeht. Liebe Grüße vom Rest!
Hallo ihr beiden, was für Eindrücke und Bilder, Heike mal ganz anders „verhüllt“. Wer hätte gedacht was für gastfreundliche Menschen die Iraner sind??? Ich nicht! Grüße auch von Ute und Werner die gerade zu Besuch sind, viele liebe Grüße aus dem frühsommerlichen, endlich warmen Nürnberg, und vielen Dank für die unglaublichen Bilder und neuen Eindrücke, Liebe Grüße, Anne
Hi there
We had a great time with you , & hope you had a good time here too .
We miss you already , Locas !
Hope to see you guys again soon .
Jom`e